Farbige Abbildungen zu drei Entwürfen Otto Westphals

Zum Artikel im Elbhang-Kurier September 2025:

Dem Maler und Grafiker Otto Westphal zum 50. Todestag (Teil 2)


Wiederentdeckte Wandbildentwürfe – Ausstellungserfolg in Dittersbach

Die bemerkenswerte Otto Westphal Ausstellung im Hofmannschen Gut in Dittersbach mit über 50 Werken des Künstlers aus 70 Jahren Schaffenszeit öffnet letztmalig an zwei Sonnabenden im Oktober (s. u.). Im EHK 9/2025 konnte ein verschollenes Wandbild von Otto Westphal von 1933 im Restaurant zum Künstlerkeller im zerstörten »Dresdner Künstlerhaus« aufgespürt werden. Die Beschreibung originaler Entwürfe zu diesem Wandbild erlaubt Einblicke in Westphals persönliche Lebensumstände und den Vergleich mit einem weiteren verschollenen Fresko des Künstlers Otto Dix.

Wandbild-Entwürfe von Otto Westphal, 1933, je c. 20 cm x 60 cm: links Bildhauerkunst, Mitte Malerei – mit Westphal an der Staffelei – rechts Architektur. Foto: Archiv OVLW

Wandbild »Bildende Künste« im Künstlerkeller
Das Kunstgenossenschaftsmitglied Otto Westphal beteiligte sich an einem im Dezember 1932 von der Dresdner Kunstgenossenschaft ausgeschriebenen Wettbewerb zur Ausgestaltung des Restaurants zum Künstlerkeller im ehemaligen »Dresdner Künstlerhaus« an der Grunaer Straße. Offensichtlich dank seiner langjährigen Erfahrung für Wandgestaltung als Preisträger ernannt, realisierte Westphal im u.  a. von Martin Pietzsch umgebauten Künstlerkeller einen schätzungsweise 1,80 cm hohen x 4,5 breiten Fries mit der Darstellung der Bildenden Künste.
In der Umsetzung legte er den Schwerpunkt deutlich auf die Gattung Architektur: ein leitender Architekt (im dunklen Anzug) und ein Baumeister (in Arbeitskleidung) halten gemeinsam in der Bildmitte einen Bauentwurf. Sie sind die Entscheidungsträger der Gewerke um sie herum. Ein bereits verworfener Plan liegt hinter ihnen am Boden. Ein geschäftiges Treiben von Handwerkern, Maurern und Steinmetzen auf Bau­stellen umringt die zwei statisch-vergeistigten Figuren. Zimmerleute und Bauherren zechen beim Richtfest. Im Hintergrund steht ein bereits voll­endeter schlichter Bau mit Turm im modernen neusachlichen Stil, der in Dresden verstärkt ab 1930 seine Umsetzung fand, wie unweit auf der
Internationalen Hygiene-Aus­stellung.
Zu den Seiten gerahmt wird das Baugeschehen von den Kunstgattungen Plastik und Malerei – links behaut ein Bildhauer im weißen Kittel einen Steinblock zur weiblichen Aktskulptur – rechts erschafft ein Maler, ebenfalls im Künstlerkittel, ein Gemälde, das bei genauem Hin- sehen einen alten bärtigen Mann zeigt, der die Personifikation der Zeichnung ital. »disegno« assoziiert. Otto Westphal signierte sein Wandbild unter den Füßen des Kunstmalers.

Nähe zum Fresko von Dix
Das programmatische Bild erinnert an ein ebenfalls zerstörtes Fresko von Otto Dix (1891–1969). Es befand sich im neu eröffneten Hygiene Museum in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dresdner Künstlerhaus. 1929 erhielt Dix als Professor an der Kunstakademie Dresden den Auftrag, ein Wandbild im Erfrischungsraum des gerade im Bau befindlichen Museums zu malen. Dix zeigt in dem dreiteiligen Fries von 1930 den Bau des Hauses – neben Maurern und Handwerkern verewigte sich Dix selbst im Zentrum als Arbeiter mit Holzbalken; ferner hält er u. a. den Architekten des Museums Wilhelm Kreis im Wandbild fest. 1933 wird Dix als Professor entlassen, seine Kunst als »entartet« diffamiert und das Bild von den Nazis abgeschlagen (Quelle: dhmd.de). Nur Fotos und die originalen Entwürfe des Dixschen Freskos sind erhalten.

Westphals Wandbild-Entwürfe
Westphals farbige Entwurfsskizzen – drei Aquarelle auf starkem Papier, je c. 20 cm x 60 cm – erweitern den Blick auf die Kompositionsidee zum geplanten Wandbild im Künstlerkeller, das, vermutlich ursprünglich mit 13,5 m Breite, dreimal größer angedacht war. Der dreigeteilte Fries wollte keine einzelne Gattung als Randerscheinung abdrängen, sondern drei Künste in gleichgroßen Felder gleichwertig nebeneinander vorstellen. Im Entwurf erdachte Westphal die Malerei im Mittelpunkt, links daneben die Bildhauerkunst und rechts die Architektur.

Entwurfsblatt »Malerei«
Es lohnt die Betrachtung der Malereidarstellung: unverkennbar setzt sich Otto Westphal selbstbewusst an der Staffelei in Szene. Für ihn typisch sind die Knickerbockerhosen, in denen er gern gewandert ist. Nadelbäume und Gebirge im Hintergrund deuten auf sein Zuhause Schmalkalden in Thüringen hin. Ebenfalls gehörte zu seinem Repertoire der am Boden liegende Malkasten, den er, für kleine Bilder auf Karton im s. g. »Malkastenformat«, auf Reisen nutzte.
Zwei sitzende Männer, freundschaftlich Rücken an Rücken gelehnt und mit Laute in der Hand veranschaulichen die Gegenwart von Musik im Bild. 1907 lithografierte Westphal den »Maler Edmund Schäfer mit Mandoline«. Bereits 1905 gründete ein lockerer Zusammenschluss von Kunstfreunden den »Dresdner Märzbund«, dem auch Westphal angehörte. Als Sinnbild ihrer Freundschaft wurde ein Gründungsbaum gepflanzt. Später wurde ein »Märzbundlied« erdacht. Die Märzbündler trafen sich jährlich zu fröhlicher Geselligkeit, so auch regelmäßig in der Loschwitzer Weinstube von »Mutter Unger«.
Mutmaßungen lassen sich auch zu Personen im engsten Familienkreis von Westphal anstellen: hinter dem Künstler steht eine Frau im weißen Kleid im Bild, neben ihr auffällig ein großer Hund. Es könnte sich um Westphals erste, verstorbene Ehefrau Juliette Reymond (1872 – 1925) handeln. In den 1910er Jahren nahm das Paar zeitweise eine große Dogge in Pension. Das Ölbild »Kopf einer Dogge« (um 1913) befand sich noch lange in Losch­witzer Familienbesitz.
Der Blick des Künstlers ist auf zwei Modelle vor ihm gerichtet: zum einen auf eine Frau in traditioneller Tracht – passend ein­gebettet in die thüringische Landschaft; zum anderen auf einen am Baumstrunk liegenden Frauenakt. Westphals zweite Ehefrau Margarte, geborene Bachmann (1906 – 1978) arbeitete ab Mitte der 1920er Jahre als Aktmodell mit den Künstlern Hans Unger (»Der Morgen« o. J. Stadtmuseum Bautzen), Friedrich Wilhelm Hörnlein (Frau auf »Me- daille für Geflügelzucht« o.  J.) oder Paul Polte (»Leda mit Schwan« 1927 im Dresdner Zwinger). Überliefert ist, dass sie und Westphal sich beim Modellstehen kennengelernt haben.
Die Vermutung liegt zudem nahe, dass es sich beim dargestellten Architekten im finalen Wandbild ebenfalls um eine Person mit realem Bezug handeln könnte, wie den Verantwortlichen des erwähnten Künstlerkellerumbaus von 1929 – so Senior der Kunstgenossenschaft Martin Pietzsch. Der Architekt erinnerte bei der feierlichen Wiederöffnung am 8.12.1929 daran, dass es »[…] bei der Erbauung des Künstlerhauses vor 21 Jahren mit dem Keller […] die Möglichkeit gegeben [hätte], hier einen Raum zu schaffen, der ein Zentrum für die Angehörigen aller Künste werden möchte.« (Dresdner Nachrichten, 1929, Nr. 577, S. 3)

Doreen Cramer


Die Autorin dankt für Anregung und Unterstützung Jutta Hartmann (Tochter des Künstlers Otto Westphal) & Antje Kirsch.


Letzte Chance zum Besuch der Ausstellung

Otto Westphal zum 50. Todestag.
Malerei und Graphik.

Galerie im Hofmannschen Gut, Dittersbach am 4. und 11. Oktober – mit Kuratorenführung.
Anmeldung: E-Mail: info@kunstinslicht.de oder Tel.: 0177 2390120
Literaturempfehlung:
Hartmann, Hans-Günther/ Becker, Udo: Friedrich Wilhelm Hörnlein, Freiberg 2018.