Editorial Juli 2025

Im Mai und Juni gab es reichhaltig Kultur zu erleben. Das Klangstromfestival in der Loschwitzer Kirche war fantastisch. Die Dresd- ner Musikfestspiele boten grandiose Konzerte. Zum Elbhangfest traten mehr als 200 Künstler auf. Als das Fest begann, war diese Ausgabe schon im Druck, sodass wir für Bilder und Eindrücke auf unsere Internetseite verweisen müssen.


Dazu wurden wunderbare Ausstellungen, wie die von Christine Schlegel in der Städtischen Galerie Dresden und in der Kunsthandlung Kühl sowie die von Helge Leiberg in Großsedlitz eröffnet.

Kunst vermittelt Freude und Schönheit, regt zu Auseinandersetzungen an und ist eine Bereicherung – aber kann sie auch gesellschaftliche Prozesse anstoßen oder gar beeinflussen?

Dass sich mit Rock’n’Roll die Welt zum Besseren verändert, hat sich leider nicht bewahrheitet. Kriege, Umweltzerstörung, Hass beherrschen die Nachrichten. Das Recht des Stärkeren soll wieder gelten. Wenn sich aber Künstler in entscheidenden Momenten zu Wort melden, kann das ungeheuer wichtig werden. Unvergessen bleibt, als 1989 Künstler im Osten »aus ihren Rollen heraustraten« und auf Bühnen in der ganzen Republik die Missstände anprangerten. Unvergessen ist auch das Konzert von Bruce Springsteen 1988 auf der Radrennbahn Weißensee vor 160.000 Menschen. Er brachte einen Hauch Freiheit in den Osten und sorgte vielleicht für ein paar Risse in der Mauer.

Jetzt erlebte ich wieder solch einen Moment in Prag – wieder mit Bruce Springsteen. Während seines umjubelten Konzertes beschrieb er den Zustand in seinem Land, den USA. Es war eine offene Anklage, aber auch ein Statement, dass es ein anderes Amerika gibt. Und das war befreiend. Werden Zustände wie in den USA auch zu uns kommen? Und werden sich dann hier Künstler – und auch wir – dem entgegenstellen? Es bleibt zu hoffen.

Jürgen Frohse